
24. Februar 2022: Am frühen Morgen greifen russische Truppen von mehreren Seiten die Ukraine an. Ich habe noch am Tage davor nicht gedacht, dass die Machthaber im Kreml diesen entscheidenden Schritt wirklich gehen würden und sehr viele andere dachten das auch. Doch wir haben uns geirrt.
Viele Beobachter haben dann damit gerechnet, dass Präsident Selenskyj sich mit seiner Regierung im Ausland in Sicherheit bringen würde. Doch sie haben sich geirrt. Er ist auf die Straße gegangen und hat durch sein Verhalten den Ukrainern Mut gemacht.
Aber die russischen Truppen schienen so übermächtig, dass viele Menschen davon ausgingen, dass es nur eine Frage von wenigen Wochen, wenn nicht Tagen, sei, bis die Ukraine kapitulieren würde. Auch hochrangige Militärs teilten diese Einschätzung. Sie alle haben sich geirrt.
Wir erleben nunmehr seit 4 Jahren, wie sich das tapfere ukrainische Volk gegen Angreifer wehrt, die weit mehr Waffen und Munition zur Verfügung haben. Wer hätte am 24.02.2022 gedacht, dass dieser Krieg nach 1461 Tagen immer noch nicht beendet ist. Und aus heutiger Sicht besteht leider nur wenig Hoffnung, dass in absehbarer Zeit die Waffen schweigen werden. Denn der Aggressor hat wenig Interesse an Frieden, er hat seine Ziele noch nicht erreicht.
Wenn wir in Westeuropa vor 4 Jahren noch gedacht haben, dass diese „militärische Operation“ nur der Ukraine gilt, so sollte mittlerweile allen klar sein, dass Putin auch uns im Visier hat, weil er unsere demokratischen Werte ablehnt und fürchtet, Werte, die auch von der Mehrheit der Menschen in der Ukraine angestrebt werden.
Nach offiziellen Angaben sind bereits mehr als 55.000 ukrainische Soldaten und sehr viele Zivilisten getötet worden, auf russischer Seite gehen die Zahlen der getöteten Soldaten nach seriösen Schätzungen in die hunderttausende. Die Schäden in der Infrastruktur sind verheerend und etwa 10 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind geflohen oder vertrieben worden. Mehr als 1 Million davon hat bei uns in Deutschland Schutz gesucht.
Am vierten Jahrestag des Kriegsbeginns denke ich an das unermessliche Leid, das den Ukrainern weiterhin zugefügt wird und beklage, dass die demokratischen Länder nicht mehr tun, um dieses Leid zu beenden.
