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Gedanken zum Internationalen Frauentag

Heute, am 8. März, ist Internationaler Frauentag. Ein Thema auch für uns und unsere Schützlinge?
Ja, unbedingt! Bei den Geflüchteten sind die Rollenbilder von Männern und Frauen in der Regel noch viel ausgeprägter als in der deutschen Gesellschaft. Traditionelle Verhaltensmuster bestimmen das Zusammenleben in den Familien sehr stark, vor allem bei Muslimen. Auch wenn es nach außen harmonisch und spannungsfrei erscheint, ist es das in der Realität oft nicht. Gerade für die Frauen und Mädchen führt das von den Familien erwartete und eingeforderte Verhalten angesichts unserer liberalen Gesellschaft häufig zu Konflikten und Frust. Aber auch Männer und Jungen haben es nicht leicht, den Spagat zwischen dem traditionellen Rollenverständnis ihrer Herkunftsländer und den Forderungen nach Gleichberechtigung zu schaffen.
Nur wenn hier eine Veränderung im Denken und Handeln stattfindet, kann Integration gelingen, andernfalls entstehen Parallelgesellschaften, in denen in der Regel die Frauen benachteiligt werden. Daraus erwächst für uns als Flüchtlingshilfe eine wichtige Aufgabe, die aber alles andere als einfach ist.

Aber es gibt ja auch in unserer Gesellschaft einiges zu tun, die noch bestehenden Mängel sind bekannt. Sie abzustellen wird jedes Jahr um den Frauentag herum gefordert, die Fortschritte sind leider immer noch zu bescheiden. Wichtig erscheint mir, nicht nur am 8. März ein Problembewusstsein zu pflegen, sondern an jedem anderen Tag auch. Durch viele kleine Schritte von jedem Einzelnen lässt sich in der Summe noch viel erreichen.

Heinrich Lagemann